Kofflers Schicksal: Die Goldberg-Variationen

Sa15Jun19:30Kofflers Schicksal: Die Goldberg-VariationenGastspiel des Jewish Chamber Orchestra München19:30

Veranstaltungsdetails

Ein Projekt des Jewish Chamber Orchestra München mit Jelena Kuljić.
Texte Stella Leder. Musikalische Leitung Daniel Grossmann.

Gemeinsam mit der Autorin Stella Leder begibt sich das Jewish Chamber Orchestra München auf eine musikalisches Reise, die zum Experiment wird. Im Mittelpunkt steht das Werk und Leben des polnisch-jüdischen Komponisten Józef Koffler, der im Gegensatz zu Viktor Ullmann oder Erwin Schulhoff, deren Musik in den letzten Jahren vermehrt aufgeführt wird, bisher weitgehend vergessen war.

So verbindet das Projekt Kofflers Schicksal: Die Goldberg-Variationen die Befragung deutscher Erinnerungskultur mit der Erinnerung an eine konkrete Person, den Komponisten Jósef Koffler und sein musikalisches Erbe.
Der Abend beginnt mit dem bekanntesten Werk Kofflers, dem Streich-Trio op. 10 in einer neuen Bearbeitung für Kammerorchester von Nicolas Hersh. Józef Koffler wurde 1896 in Stryj, Polen [heute: Ukraine] geboren. Er studierte Komposition in Wien und
feierte Erfolge als Komponist. Bereits mit 32 Jahren hielt er in Lemberg die einzige Professur für atonale Komposition in Polen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Ostpolen 1941 wurde Koffler mit seiner Frau und seinem wenige Jahre alten Sohn verhaftet und in das Ghetto Wieliczka gebracht. Nach der Auflösung des Ghettos 1943 versteckte er sich mit seiner Frau und dem kleinen Sohn an unterschiedlichen Orten, wurde 1944 jedoch von der Gestapo aufgespürt und die Familie wurde am Rande eines unbekannten Dorfes erschossen.

Im zweiten Akt tritt die Performerin und Sängerin Jelena Kuljić zum Orchester auf die Bühne, um sich dem Verstummen
und dem künstlerischen Bruch in Kofflers Werk zuzuwenden. Durch musikalische und literarische Improvisationen entsteht eine Partitur zwischen dem Kammerorchester und Jelena Kuljić, die das Vergessen befragt und die Ausgrenzung und Ermordung eines Künstlers nachempfindet. Ein Abend über menschliche und kulturelle Zerstörung, in dessen Zentrum die Frage steht, wie Rituale der Erinnerung durchbrochen werden können, um zu einer tatsächlichen Erinnerung als Arbeit an der Gegenwart zu gelangen.

Zeit

(Samstag) 19:30

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